Sonntag, Mai 15, 2005

Tschüss, Miss Universe

Mädels, seid nicht traurig, dass ich gehe. Ich komme bestimmt mal wieder. Ihr werdet dann jedoch nicht mehr da sein.

Ich bin nämlich schon wieder zurück und werde das hier auch erst einmal geniessen. Schön ist's hier! So grün, so frische Luft, so herrlich kalt. Aber so richtig kalt. Die Jacke habe ich mir dann direkt mal am Flughafen aus dem Koffer gewühlt. Der Kulturschock ist aber dennoch ausgeblieben. Es waren zwar schon ein paar Monate aber ich kann nicht wirklich sagen, dass sich an mir oder an Deutschland irgendetwas geändert hätte. Oder doch? Der ICE war pünklich!

Freitag, Mai 13, 2005

Hotspots

Schaut euch einen Reiseführer an. Was schreibt der über Bangkok? Sehenswürdigkeiten, Hotelempfehlungen, Massagen, Tuk-Tuk fahren? Jetzt mal unter uns. Wen interessiert das denn? Das machen doch alle. Hier kommt meine kleine Liste an Dingen, die Ihr mal unbedingt in Bangkok machen solltet.

Driving Range
Wer noch nie Golf gespielt hat (so wie ich) sollte unbedingt in Bangkok anfangen. Es macht süchtig. Das Schlagen der Bälle mag überall gleich sein. Was mich überzeugt hat ist das Drumherum. Golfen ist hier nicht wie in Deutschland. Wer hier golfen möchte, kann das sofort tun. Schliesslich kommt man nicht als Tiger Woods auf die Welt und der Anfang sollte einem so leicht wie möglich gemacht werden. In Deutschland hat mich bisher jedenfalls das elitäre Gehabe der Clubs und Golfer immer abgeschreckt. Hier ist es die reinste Freude. Wenn man dann auch noch mit ein paar Freunden gleichzeitig versucht die Plastikbälle in die Luft zu pöhlen, steht einem spassigen Abend nichts mehr im Wege. Hinter den Abschlägen stehen Bistrotische und Sitzecken an denen man dann entspannt pausieren kann. Zeitdruck gibt es nicht. Ähnliches hat man nurnoch beim Bowling. Vor allem der Preis ist sagenhaft. 150 Bälle kosten 100 Baht und eine Stunde Privatchaoching vom Pro nur 1000. Den Schläger gibts dann soar gratis dazu. Tipp: All Star Golf

Karaoke
In Bangkok gibt es zwei Versionen von Karaoke. Karaoke für Alleinreisende und Karaoke für Freundeskreise. Karaoke für Alleinreisende brauche ich sicher nicht näher erklären. Jede dieser Bars, die Karaoke in Leuchtschrift über der Tür stehen hat, will damit nur sagen, Männer kommt her, hier werdet ihr unterhalten. Das sind ca. 90%. Was ich euch aber empfehlen möchte sind die restlichen 10%. Ein Treffpunkt für Freunde, für spassigen Abende, für Musikfans und Sänger und solche, die es werden wollen. Was wäre denn Karaoke, wenn es niemanden, der schlecht singt. Hier ist die Fallhöhe jedoch geringer. Das Singen passiert nicht öffentlich sondern in kleinen geschlossenen Räumen. Hier bleibt man unter sich und bereits nach wenigen Minuten hat sich die Aufregung vor dem Singen gelöst und aus den anfänglich gemieteten zwei Stunden werden schnell drei oder vier. Bedienung gibt es natürlich auch, wie auf einer Kegelbahn und preiswert ist es auch noch. Ganz großes Kino! Ambiente Tipp: Major Bowl Beste Leistung: Big Echo

Eine Flasche Whisky bestellen
Das Bestellen von ganzen Flaschen in Thailand ist sehr populär. Bei den Thailändern kommen nämlich zwei Eigenschaften zusammen. Sie sind preisbewusst und gemeinschaftlich. Trinkt einer mehr, gönnt man es ihm. Am Ende wird die Rechnung einfach pro Kopf geteilt. Das gilt übrigens auch fürs Essen. Das ist schon mal sehr entspannt. Was daran ist jedoch besonders? Besonders ist, du bekommst dann einen eigenen Kellner. Der hat dann so einen Handwagen, auf dem stehen die alkoholischen Gertänke, ein Kübel Eis, eine Auswahl an Mischgetränken und dann gehts los. Selten wird dein Glas leer. Es wird nachgeschenkt, sobald du eine kleine Pause einlegst. Um dein Glas wird eine Serviette gelegt, auf der steht in einer Ecke dann, wie du dein Getränk am liebsten magst. Dann muss auch nicht mehr nachgefragt werden musst, ob du deine Whisky lieber mit Cola oder Soda trinkst. Tipp für Herrenabende: The Resort

Scirocco
In älteren Reisführern nicht zu finden. Das Restaurant der Restaurants. Der Name kommt nicht von ungefähr. Das Scirocco befindet sich auf dem Dach eines der höchsten Gebäude am Ende der Silom Road. Es gibt zwischen dir und dem Abrund lediglich eine 1,4m hohe Glaswand. Ich habe mir sagen lassen, es gehöre zu den wenigen Restaurants auf der Welt so etwas überhaupt bieten. Woanders sei aus Sicherheitsgründen nämlich alles versperrt. Es gibt zwei unterschiedliche Bars und ein Restaurant mit einem italienischen Koch. Interessante Kombination in den Gerichten, die leider auch ihren Preis haben. Vor der goldenen Kuppel, die das Gebäude krönt, spielt meisst eine Jazzband und dabei kann man sich gepflegt den ein oder anderen Cocktail an der Bar gönnen und den Blick über Bangkok und seinen Fluss schweifen lassen. James Bond lässt grüßen! Das wären dann auch mein Tipp: Einen Wodka Martini, geschüttelt nicht gerührt.

Mittwoch, Mai 11, 2005

Ein Mettbrötchen bitte

Meine Tage sind gezählt. Am Samstag geht meine Maschine zurück. Jetzt hat die deutsche Wettervorhersage auch für mich wieder Bedeutung. 10 Grad oder 15 oder doch mehr? Egal, ich werde erst einmal so lange ohne Jacke in der Kälte stehen bis die Zähne klappern. Klar sehnt sich der Deutche nach Sonne und Wärme aber sicher nicht nach drei Monaten Hitze. Am liebsten würde ich direkt in den Schnee fliegen und einen ganzen Tag lang Figuren im Schnee machen. Ok, ich übertreibe. Aber ich gehe gerne wieder zurück. Ich mag nämlich: rauhes Wetter, deutsche Sprache, weisse Taxis, unfreundliche Bedienungen, rechstfahrender Verkehr und ganz ganz leckeres Kölsch!

Das sag ich jetzt. Wahrscheinlich komme ich Sonntag früh an, bekomme Stress mit gelangweilten Zollbeamten, muss lange auf meinen verpäteten Zug warten, der deswegen noch umgeleitet wird. Es regnet wie aus Eimern. Muss mich dann von einem kölner Taxifahrer anraunzen lassen, wieso ich soviel Gepäck dabei hätte und muss dann dennoch laufen, weil er meine Strasse von der falschen Seite aus hereingefahren ist. Aber dann gehe ich ersteinmal gegenüber in meine Bäckerei und sage grinsend: "Ein Mettbrötschen bitte!" .... "Lieven Jung, die jibbet heut nisch, et is doch Sonntag"

Nee wat schöön!

Montag, Mai 09, 2005

Man gönnt sich ja sonst nichts

Nächsten Sonntag landet mein Flugzeug. Also noch ein Wochenende, fünf mal arbeiten, ein Samstag und sechs Abende. Was wollte ich denn noch alles machen? Was brauche ich noch? Was wollte ich denn noch sehen? Einkaufen? Nur noch ein Wochenende also? Was habe ich denn verpasst? Wo ist das Highlight? Oh mein Gott, fast hätte ich es übersehen: Hong Kong!



Hong Kong ist praktisch direkt um die Ecke. Nur zweieinhalb Stunden Flug. Und es lohnt sich. Singapur, KL, Bangkok, alles nett. Hong Kong ist allerdings mehr. Und ich kann noch nicht einmal sagen woran es liegt. Ist sie europäischer oder natürlicher oder besser organisiert oder einfach nur reicher? Ich hab keine Ahnung. Die Stadt hat was. Ich ärger mich eigentlich, dass ich nicht schon eher dahingeflogen bin. Ich wäre nämlich wiedergekommen.

Ich hab noch nicht viele Städte wie Hong Kong gesehen. Falls es überhaupt etwas Vergleichbares gibt. Viele Städte haben Hochhöuser, Berge oder Häfen. Hong Kong aber ist landschaftlich einzigartig. Ich würde fast sagen Hong Kong hat die schönste Skyline der Welt. Das Wetter verhinderte ein wenig meine fotografische Beweisführung aber auch mit Wolken und Nebel entfaltet Hong Kong eine unglaubliche Ausstrahlung. Aprospos Wetter. Sanfte 26 Grad, leichte Brise vom Meer. Naherholung für Bangkoker!



Seit diesem Wochenende definier ich auch das Wort "Shopping" neu. Hong Kong ist Shopping. Ich hab noch nie soviele Dinge kaufen wollen, wie in dieser Stadt. Es ist ein Paradies. Neben bekannten Marken, gibt es auch unzählige Shops neuer, junger Designer. Was man aber auch an der Kleidung der Hongkonger eindeutig sehen kann. Hier werden Trends gemacht. Hong Kong hat halt einen Rang in den Städten der Welt. Das merkt man der City an. Wohlhabend, modern und selbstbewusst. Kein Wunder, dass sich China in Sachen Hong Kong noch sehr zurückhält.

Einen Wermutstropfen gabe es dennoch. Ich hab Jackie Chan leider nicht getroffen.

Mittwoch, Mai 04, 2005

Chatuchak Weekend Market

The Weekend Market Labyrinth
Hot, sweaty, crowded, and devoid of right angles or updated maps, Chatuchak has claimed many unprepared tourists, who disappeared into its dark shopping passages never to be heard from again. Rumor has it some can be seen years later, squatting on plastic stools, speaking fluent Isaan Thai and making somtam puu-pulaa.
Auszug aus "THE SEVEN WONDERS OF BANGKOK"




Es ist der absolute Wahnsinn und für einen braven, einfachen Europäer, wie mich. Der Wochenendmarkt in Chatuchak. Ich hab tatsächlich fast meinen gesamten Sonntag dort verbracht. Ich glaube nur, weil ich den Ausgang nicht gefunden habe. Es ist ein Sumpf. Um die Größe diese Marktes zu sehen muss man wahrscheinlich zu Satellitenaufnahmen greifen. Gang an Gang. Laden an Laden. Waren an Waren.



Und überall sind Menschen. Tausende. Sind die wirklich alle zum Einkaufen hier? Was mache ich eigentlich da? Zweifel überkamen mich bereits nach den ersten zwei Gängen. Wegen der Regenwahrscheinlichkeit ist der gesamte Markt auch noch überdacht. Treibhauseffekt ohne Luftzug. Die kleinen nichtüberdachten Strassen, die soetwas wie Sektorgrenzen markieren, nutzt man zum Luftholen wie nach zwei Minuten unter Wasser. Nach ein paar Minuten sah ich aber auch aus wie nach zwei Minuten unter Wasser. Schwitzen ist hier nicht mehr unangenehm, es ist ein Funken Hoffnung auf Kühlung. Wieso machen die den Markt denn nicht auch unter der Woche auf? Dann würde auch nicht halb Bangkok hier einkaufen.



Einkaufen. Ja, das kann man hier. Es gibt hier alles. Wirklich alles. Kleidung, Kunst, Kitsch, Kurioses, Kleinkram. Selbst Tiere werden hier verkauft, zum Essen oder zur Haltung, Käfige gibt es nämlich einen Gang weiter. Wenn man nicht zu überfordert durch die Gänge strauchelt, gibt es jede Menge zu entdecken. Zum Teil großartige Dinge werde hier verkauft. Künstler verkaufen Ihre Bilder zu bezahlbaren Preisen. Designer stellen Ihre Möbel und Accessoires aus. Wäre ich nicht gepäcklimitiert, hätte ich hier meine Wohnung komplett neu einrichten können.

Wieso gibt es das nicht auch mit Klimaanlage?

Dienstag, Mai 03, 2005

Käi Äl

In Asien wird nicht lange genuschelt. Hier sagt man zu Kuala Lumpur einfach "KL". Das hört sich dann auch direkt cooler an. Wo warst du denn am Wochenende? - Ich war in KL! Das kann ich jetzt auch sagen.
Ich muss schon sagen, was Asien angeht zeigen sich bei mir ungeahnte Wissenslücken. Als wenn ein Amerikaner über Europa redet. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Hong Kong und Singapur eingentlich Inseln sind. Dass Japan noch mehr als fünf Flugstunden von Thailand entfernt ist. Und ich wusste auch nicht, dass der größte Teil Malaysias muslimisch ist. Was dann auch direkt den Kulturschock bedeutet wenn man von Bangkok nach KL fliegt. Nur zwei Stunden Flug, das gleiche Wetter aber der Rest ist sowas von Anders! In den Strassen sieht man Frauen mit Kopftüchern, Moscheen und orientalische Ornamentik. Als ich abends in meinem Hotel den Fernseher anmachte sah ich das, haltet euch fest:

TV in KL

Es ist als führe man in den Orient, wäre die Stadt nicht voller Asiaten. Seltsame Kombination. Seltsam ist aber auch die Sprache. Ich hab nicht einmal jemanden auf Malayisch (oder wie auch immer die Sprache heisst) reden hören. Man hört immer nur englisch. Man kann die Sprache nur überall lesen. Und geschrieben sieht es aus als wäre es deutsch - mit unglaublich vielen Konsonanten. Vielleicht war es aber doch englisch...



Wie dem auch sei, man kommt nicht nach KL um die Sprache zu lernen. Man kommt nach KL wegen ... wegen ... ääh. ... Genau! Wegen einem der größten Gebäude der Welt. Und das war es leider auch schon.



Ach ja, und schönen Gruss noch einmal an meine Arbeitskollegen hier. Nein, so Scheisse ist Malaysia nicht. Ihr seid wohl nur ein wenig neidisch, wie?

Donnerstag, April 28, 2005

Hurra Deutschland

Wir sind nicht nur Papst. Wir sind auch Weltmeister im Reisen. Als Deutscher ist man halt in jedem Land gerne gesehen. Das liegt sicher nicht an den dickbäuchigen Badelatschenträgern, die bereits vor dem Frühstück ihre Liegen am Pool mit dem Handtuch reservieren. Das liegt vor allem am Geld, an wirtschaftlichen Beziehungen und an einer jahrelangen konfliktvermeidenden Aussenpolitik. In Deutschland stolpert Joschka Fischer gerade über ein paar Botschaftangestellte, die vielleicht mal nicht Dienst nach Vorschrift gemacht haben. Gibt es wirklich einen Deutschen, der sich darüber aufregen kann? Und wer von denen hatte denn schon mal Probleme in irgendein Land der Welt einzureisen? Wieso auch, wir sind ja freie Bürger!

Ich habe ein Visum für Thailand. Das ist jedoch nun ungültig weil mich dieses Visum nicht berechtigt innerhalb der 90 Tage ein- und auszureisen. Das habe ich allerdings mit meinem Wochenendtrip nach Singapur getan. Damit ich aber erst mal wieder zurückdurfte, hat man mir am Flughafen eine 30 Tage Touristenerlaubnis verpasst. Die reicht natürlich nicht bis Mai. Was macht man nun? Einfach das, was alle machen, die in Thailand leben wollen. Man fährt jeden Monat einmal kurz über die Grenze und dann wieder zurück. Der Papierkrieg für eine offizielle Erlaubnis steht in keiner Relation zu der einfachen Reise über die Grenze, den man dann auch noch mir Duty Free Shopping versüßen kann. Es gibt tatsächlich Leute, die so seit Jahren in Thailand leben und arbeiten. Ich flieg aus diesem Grund diese Wochenende nach Malaysia und mache einen Tag Sightseeing in Kuala Lumpur.

Meine Arbeitskollegin hat einen Freund in Deutschland. Den hat sie hier kennengelernt, er hat hier jahrelang gearbeitet. Jetzt ist er wieder in Deutschland und sie möchte ihn in ihrem Jahresurlaub besuchen. Sie kann nicht als Touristin einfach einreisen, sie braucht ein Visum für Deutschland, auch für zwei Wochen. Den Flug musste sie schon buchen, weil sie sonst kein Rückflugticket vorweisen kann. Ob sie überhaupt fliegen darf, ist noch nicht klar. Ihr bestätigtes Rückflugticket ist für die deutsche Botschaft allerdings noch kein Beweis, dass sie auch nach den zwei Wochen wieder nach Thailand zurückreist. Auch nicht der Mietvertrag ihrer Wohnung. Eine junge, nicht verheiratete Thailänderin, die ihren Freund in Deutschland besuchen will und nur Urlaub macht? Na klar! Sie besorgt sich eine Gehaltsbescheinigung der Agentur, sie zeigt Ihren Arbeitsvertrag. Keine Erlaubnis. Sie lässt sich eine Meldebescheinigung Ihres Freundes in Deutschland faxen, mit Mietvertrag. Die deutsche Botschaft will wissen, wo sie wohnt und wer ihr Freund ist. Es wird über Bürgschaften verhandelt. Als ich sie fragte, ob sie wisse, dass der Freund einer Kollegin in der Botschaft gearbeitet hat und er sicher mal bei seinen alten Kollegen anrufen könne ist sie mir fast um den Hals gefallen. Jetzt hat sie wieder Hoffnung, dass das doch noch irgendwie klappt.